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Und wie ging die Geschichte von Neugeschrei weiter ?

Darüber weiß man wenig, auch wenn das Buch "NEUGESCHREI - ERINNERUNGEN AN DAHEIM" von RUDOLF KAMPF sehr interessante Erkenntnisse liefert, jedoch meistens erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Da ich der Nachkriegsgeneration angehöre, kenne ich leider viele der darin verwendeten Namen z.B. von Straßen oder von Gasthäusern nicht mehr, kann sie nicht zuordnen. Aber immerhin wurde das Leben von Neugeschrei bis in die Kriegszeit hinein beschrieben.

Wie sich unser Dorf nach die 2. Weltkrieg weiterentwickelt hat, darüber gibt es meines Wissens noch keine Veröffentlichungen. Eine Ausnahme bildet allerdings das bemerkenswerte Büchlein von Hana Hentzschel
"ausgesiedelt ´69 - Erinnerungen an die Heimat", das in Deutsch und in Tschechisch erschienen ist. (In Tschechgisch heißt es: "vystěhování ´69 - Vzpomínky na vlast".) Hana Hentzschel lässt darin ihre Liebe zur Heimat spürbar werden, - dies ist vor dem Hintergrund, dass sie als 6-jähriges Kind Neugeschrei verlassen hat (Aussiedlung ihrer Familie) - also nur ihre frühe Kindheit dort erlebt hat - etwas ganz Besonderes. Gleichzeitig wird erstmals etwas von den Lebensumständen der Nachkriegsgeneration in unserer eigenen Heimat vermittelt.

Teil A

Teil B

Teil C

Da mit der Zeit möglicherweise jenes Wissen verloren geht, wer eigentlich wo in Neugeschrei gewohnt hat, kam beim Neugeschreier Fest 2011 die Idee auf, dieses entschwindende Wissen zu sammeln. Frau HelgaScheichenost hat mir freundlicherweise ein Foto des Straßenplans von Neugeschrei zugesandt, der in Weipert vor dem Rathaus aushängt. (Siehe nachfolgendes Bild.)

Hierbei möchte ich insbesondere die älteren Neugeschreier ansprechen und bitten, uns Jüngeren zu helfen, diesen Teil der Geschichte von Neugeschrei festzuhalten.

Wenn jemand weiß, wer wo gewohnt hat, und uns unterstützen will: bitte in einer Mail an mich zu den jeweiligen Hausnummern die Namen der (einstigen) Bewohner mitteilen. Mail-Adresse: erich.dick(ät)neugeschrei.de
Oder das nachfolgende Bild kopieren, ausdrucken und beschriften. Ich würde dann daraus eine Übersicht erstellen (lassen), die allen Interessierten zugänglich gemacht werden könnte.

24.06.2012 - Erich Dick

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Gasthäuser und Straßennamen in Neugeschrei


Wir Jüngeren der Nachkriegsgeneration haben zwar von unseren Eltern und Großeltern verschiedene Namen von Häusern und Straßen gehört, wo sie aber lagen, wußte zumindest ich nicht.

Frau HelgaScheichenost hat nun etwas Licht in diese Vergangenheit von Neugeschrei gebracht. Indem sie in den obigen Straßenplan nicht nur die Lage der einstigen Gasthäuser eingezeichnet, sondern den heutigen Straßennamen auch die einstigen Namen zugeordnet hat, erscheint Neugeschrei nun in einer viel lebendigeren Vergangenheit. Acht Gasthäuser in einem so kleinen Stadtteil von Weipert zeugen von einem enormen Gemeinschaftsgeist der Neugeschreier.

(Nähere Informationen zu den Gasthäusern folgen noch.)

Hier zunächst die Liste der Gasthäuser und Straßennamen:

Dazu siehe nachfolgenden Plan Neugeschrei

Gasthäuser  (blau)

1 – Zur Hadnschänk / Hirsch – Bergstraße (Pleiler Grund)

2 – Zum Grünen Baum / Malz – Bergstraße 353

3 – Köhlers Gasthaus – Hohensteingasse 13 (Pleiler Grund)

4 – Sieben Schwaben - Naaffgasse 470

5 – König von Württemberg / Horndreher – Neugeschreier Str. 227

6 – Roter Hirsch (später Fleischerei Edmund König) – Neugeschreier Str. 374

7 – Zum Felsenkeller – Keilbergstraße 14 (Richtung Hammer)

8 – Zur grünen Wiese (vor 1900) – Hohenstein Gasse 471

Straßennamen  (grün)

1 – Joachimstaler Straße (von Weipert bis Neugeschrei, Kreuzung Neugeschreier Straße) heute Alešová

2 – Keilbergstraße (ab Neugeschrei Richtung Hammer) heute Jungmannová

3 – Neugeschreier Straße  heute Kollárová

4 – Naaff Gasse  heute Ovocná

5 – Wüstenzeche (Weg zur Härtl-Villa) heute Selská

6 – Hohenstein Gasse  heute Kamenická

7 – Bergstraße  heute Horská

8 – Waldstraße  heute Lesní

– Straße zur Fabrik Kannaberger (unterhalbder Bahn) heute Dělnická

                                                                           von HelgaScheichenost

                                                                           1 / 2014

Legende:

blaue Punkte: Gasthäuser
grüne Punkte: Straßennamen

rote Linie: Grenze zwischen Weiperter- und Pleiler-Grund (Teile von Neugeschrei lagen nämlich auf Pleiler Grund)

Geschichte

Neugeschrei

Neugeschrei ist ein Ortsteil von Weipert im Kammbereich des mittleren Erzgebirges, mit einer rund 450-jährigen Geschichte. Wiewohl diese nicht sehr bedeutend ist, so steht sie doch für eine bestimmte Kultur mit eigener Lebensart und eigener Mundart. Dies jedoch wird in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören.

Neugeschrei ist deshalb vor allem ein Ort im Herzen jener Menschen, die dort aufgewachsen und glücklich gewesen sind. Dort begann ihr Lebensweg, von dort aus haben sie die Welt erkundet, bevor viele anderswo eine neue Heimat gefunden haben. Doch die innere Verbundenheit zu diesem Ort, der heute seinen tschechischen Namen trägt, ist bei vielen geblieben, sogar bei einigen Kindern, die selbst schon anderswo geboren wurden. Und viele kehren gerne zu einem Besuch zurück.

Mittelpunkt unseres Ortsteils war und ist die Herz-Jesu-Kirche, die vor etwa 120 Jahren erbaut worden ist. Dank dem unermüdlichen Einsatz Einzelner und der Großherzigkeit vieler Spender ist die dem Verfall preisgegebene Kirche gerettet und soweit restauriert worden, dass sie getrost den nächsten 1-2 Jahrzehnten entgegensehen kann.

Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn sich darin alljährlich am achten Tag nach Fronleichnam Orgelmusik, Gebet und Gesang erhebt und die Kirche in ihrer alten Pracht erstrahlt. Ad majorem die gloriam – zur größeren Ehre Gottes.

Zur Entstehung von Neugeschrei

Oberhalb der Kirche von Neugeschrei, an der Kreuzung links am Anfang der Waldstraße soll jene historische Fichte gestanden haben, um die sich die Geschichte zur Entstehung von Neugeschrei rankt:

Eines Tages hat ein Fuhrmann zwischen den Wurzeln einer vom Sturm umgeworfenen Fichte einen großen Silberklumpen entdeckt. Das erregte so großes Aufsehen, dass viele Bergleute kamen und begannen, nach Silber zu graben. Wegen des damals neuen Geschreis heißt die neue Ansiedlung bald „Neugeschrei“. So hörte ich es in meiner Kindheit.

Dass an dieser Geschichte etwas dran sein muss, zeigte mir schon das Wappen von Weipert, in dessen unteren Teil eine umstürzende Tanne abgebildet ist. Erst viel später erfuhr ich von zwei historischen Quellen. In dem mit viel Liebe erstellten Buch „Neugeschrei – Erinnerungen an daheim“ schreibt Herr Rudolf Kampf:

„Man schrieb den 15. Juni 1547, vielleicht auch einen oder zwei Tage vorher. Der Amtshauptmann der noch ganz jungen königlichen Kammeralherrschaft Preßnitz, Matthias v. Scharfenberg, hatte eine erregende Nachricht erhalten. Ein mächtiger Silbergang sei entdeckt worden und es gäbe ein großes Zulaufen von Bergvolk von allen Seiten. Scharfenberg erfüllte seine Pflicht und ritt von Preßnitz herüber; denn er war ja nicht Amtshauptmann einer nur königlichen Kammeralherrschaft, wie es deren noch etliche gab, sondern seine von ihm zu betreuende Herrschaft war zugleich eine Grenzherrschaft und Bergbaugebiet, unterstehend dem eben gegründeten Oberbergamte Joachimsthal.“ (Seite 10)

Dieser Amtshauptmann verfasste darüber zwei Berichte, die beide erhalten sind.

Der erste Bericht, datiert mit dem 15. Juni 1547, richtet sich an die Königliche Hofkammer in Wien, der zweite, datiert mit dem 7. Juli 1547 an die unmittelbar vorgesetzte Behörde, die Königlich böhmische Kammer in Prag. In letzterem lauten die wichtigsten Sätze so:

„Gnedige Herrn fuege Ich Euer gnaden gehorsamblich zuuernemben (bei), das in kurz verschinen tagen auff der khu(niglichen) M(ajestät) grunden alhier beim Weinperth, ein meil wegs von Sandt Anna Perg gelegen, ein Newer Silbergang durch ainen Vrpeß (lies: Urpeß) oder Wurzl von ainen paum Entplost worden ...... Es schurffen der Zeit heer alletag auf denselben gebürgen mer dan Tausendt man. Ist ein groß Zulauffenß von villen anfelligen leutten, die da kaufen vnnd vmbe kux (handelsmäßigen Berganteilen) pactyren.“ (Seite 11)

Die dort entstandene Ansiedlung hieß in den Jahren 1547-1564 „das obere Dorf am Weipert“. Herr Rudolf Kampf berichtet weiter: „Die Kgl. Waldordnung letzteren Jahres nennt es erstmalig „Neugeschrei“ und verleiht dem neuen Dorfe einen Holzmarkt. Der Name selbst ist ein typisch bergmännisches Wort, kein neues etwa. Es bedeutet erste Nachricht von neu erschürften (Silber-)Erzgängen, die weithin sich verbreitet.“ (Seite 12)

Das „neue Geschrei“ also gab dem Ort offenbar tatsächlich seinen einmaligen Namen: „Neugeschrei“.