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Vier Etappen dieses westböhmischen Jakobsweges habe ich bereits beschrieben und in der Rubrik "Erlebnisse" eingestellt. Begonnen hatte ich meine Pilgerwanderung im Herbst 2023, und ich darf es vorwegnehmen: am 19. Juni dieses Jahres habe ich gut und gesund das erste bayrische Städtchen Eslarn erreicht, womit dieser böhmische Jakobsweg - von Prag kommend - endet und als fränkischer Jakobsweg weiter Richtung Nürnberg führt.

Vielleicht fragt sich trotzdem so mancher von Ihnen: Was hat Neugeschrei bzw. meine erzgebirgische Heimat mit einem westböhmischen Jakobsweg zu tun? Nun, rein geographisch natürlich nichts. Es hat vor allem mit meiner Lebensgeschichte zu tun.

Geboren als Nachkriegskind im Kammbereich des böhmischen Teils vom Erzgebirge habe ich acht Jahre lang eine tschechische Schule besucht (vier Jahre die Volksschule in Neugeschrei, fast volle vier Jahre die Mittelschule in Weipert). Dadurch wurden mir selbstverständlich auch die tschechische Sprache, die tschechische Geschichte, tschechische Literatur und Lieder vermittelt, so dass ich mich als zweisprachig aufgewachsenes Kind sowohl in der deutschen wie auch der tschechischen Kultur heimisch fühle.

Nachdem ich im Jahr 2019 den weiten Weg "Camino Francés" von den Pyrenäen bis Santiago de Compostela gepilgert war, suchte ich nach einstigen Jakobswegen in Europa, die allesamt Richtung Santiago de Compostela führen. Die einstigen mittelalterlichen Routen werden gegenwärtig anhand von Jakobskirchen und Klöstern, die den Pilgern eine Herberge zur Übernachtung boten, wiederentdeckt. So hat auch die tschechische Jakobusgesellschaft "Ultreia" den einstigen Jakobsweg von Prag nach Nürnberg bis zu dem einstigen Ort Eisendorf kurz vor der deutschen Grenze (heute: Železná) ermittelt und bekannt gegeben.

Daran angelehnt hat das Jakobsweg-Team Winnenden vor einigen Jahren einen Pilgerführer herausgegeben, der die genaue Route von Prag bis Eslarn beschreibt:

ISBN 978-3-9812350-3-6, Ausgabe 2023

Am Ende meiner 4. Etappe war ich im Herbst 2025 am Kloster Kladruby (deutsch: Kladrau) angekommen. Es war damals Abend und alles war verschlossen. Doch das eine wusste ich: bevor ich irgendwann von hier weiterziehe, möchte ich die riesengroße Klosterkirche von innen erlebt haben. Das war nur im Rahmen einer Führung durch das Kloster möglich.

Es vergingen viele Monate - und so hatte ich dies urspünglich für Montag, den 15.06. geplant. Doch als ich mich telefonisch nach den genauen Öffnungszeiten erkundigte, erfuhr ich, dass Museen in Tschechien am Montag geschlossen seien. Deshalb habe ich die Besichtigung des Klosters auf Sonntagnachmittag, 14.06., vorverlegt. Von Weipert mit dem Bus, ab Klösterle mit dem Zug über Eger und Mies kommend traf ich um 13:30 Uhr mit dem Bus in Kladrau ein, besuchte zunächst die St. Jakob Kirche und erschein um 14:45 Uhr pünktlich zur letzten Führung des Tages. Diesen Rundgang durch das Kloster (ich war der einzige Gast!) erlebte ich als Teil meiner Pilgerwanderung und möchte diese deshalb weiter unten ausführlicher beschreiben.

Am zentralen Marktplatz von Kladrau (mit jetzt neu gestaltetem Brunnen) liegt die St. Jakobus Kirche, die dankenswerterweise am Sonntag geöffnet war

Knapp 500 - 700 m östlich: die große Klosterkirche:

Fotos und Bericht von Erich Dick

Die Strasse hoch zum Klostereingang

Übersetzung ins Deutsche:
"Ein Kloster sollte je nach Möglichkeit so gebaut werden, dass sich alles Benötigte - Wasser, eine Mühle, der Garten und unterschiedliche Werkstätten - innerhalb des Klosterbereichs befindet, damit die Mönche nicht nach außen gehen müssen, was ihren Seelen nicht gut bekommt." (RB 66,6 = Regula Benedicti, Kapitel 66)

Das Kloster selbst besteht aus drei Teilen: aus einem alten und einem neuen Trakt und der Klosterkirche. Zu sehen war im Rahmen der Führung: Klostergänge und im renovierten alten Trakt, der Speisesaal sowie einige Klosterzellen, bei denen ich raten sollte, welcher Beschäftigung der jeweilige Mönch nachging. Da war beispielsweise eine Zelle mit vielen Landkarten und einem Globus - der Mönch war ein Kartograph. In einer anderen Zelle lagen viele Bücher und es waren Bilder von Pflanzen zu sehen - dies scheint ein Biologe gewesen zu sein, vielleicht ein Heilkräuterspezialist. In wieder einer anderen Zelle wurde die Bibel abgeschrieben, die Anfangsbuchstaben der Kapitel mit Kalligraphie-Schrift versehen. Dann kam eine Zelle mit unterschiedlich großen Buch-Pressen - das scheint ein Buchbinder gewesen zu sein.

Von all dem Interior durfte ich leider keine Fotos machen. Dafür aber vom Klostergarten und der Klosterkirche.

Auf diesem Bild ist ein Rest der einst romanischen Klosterkirche zu sehen: da, wo das Dach an die Kirchenwand stößt, befindet sich ein Fensterbogen aus romanischer Zeit (das Fenster selbst wurde zugemauert).

Ich hatte Glück - nach der einstündigen, eindrucksvollen Führung, die in der Klosterkirche endete, konnte ich im Klosterkaffee noch "zu Mittag" essen, und was könnte es für mich Köstlicheres geben, als das tschechische Nationalgericht "Svíčková"!

Es schmeckte wunderbar, aber da ich kurze Zeit später der letzte Gast war und geschlossen werden sollte, nahm ich das Pilsner Bier in einem Becher mit ...

Die Fortsetzung mit dem 2. Tag der Pilgerwanderung am 15. Juni folgt demnächst.

Später zu zog noch einmal los, um die nähere Umgebung des Klosters zu erkunden. Dabei gelangen mir einige schöne Fotos in der Abendsonne.

Blick von der Klostermauer zur nahegelegenen Stadt Kladruby

Hier ein alter, noch nicht renovierter Teil des Klosters.

Ein Seitenaltar ...

Die Kirche hat gigantische Ausmaße ...

Der Jakobsweg von Prag nach Eslarn / Bayern
5. und letzte Etappe: 14. - 19.06.2026